#zweizwei



Da standen wir nun. 2:2 nach über 60 aufreibenden Minuten. Ein Punkt gewonnen, oder eher zwei Punkte verloren? Schwer zu sagen. Aber der Reihe nach:

Die Kaderzusammenstellung im Vorfeld entpuppte sich mal wieder als emotionale Achterbahnfahrt. Capitano Leopold verkauft Trecker im Allgäu, Sturmtank Tom und Youngster Carl wollen ihre akademischen Karrieren nicht für den RvC opfern und eine ganze Reihe von Schlüsselspielern fallen mit Covid oder anderen Atemwegserkrankungen aus (u.a. die Altmeister Jens Hillmann, Rami Eid-Sabbagh und Raphi Thelen und unsere Pferdelunge Ben Aßhauer).

Am Samstagnachmittag befanden wir uns auf einem schmalen Grat zwischen „wir kriegen in Unterzahl die Fresse poliert“ und „vielleicht sagen ja doch noch drei zu, und wir mischen das Wespennest richtig auf“.

Aber es gab Sie noch, die guten Nachrichten: Carli Underberg sicherte zu, bei Bild TV zügig abzumoderieren und sich als Parkuhr in vorderster Front einzureihen. Philipp „Shack attack“ Schacht sprang spontan auf den Zug nach Zehlendorf auf. Alt-Präsident „Kim- Jong“-Jason Altehoefer konnte seinen Besuch rechtzeitig zum Bahnhof delegieren und auch Dr. Thomas Koch wurde nicht mehr am OP-Tisch gebraucht und konnte für die wichtigste Operation des Tages, das Skalpell gegen den Hockeyschläger eintauschen.

Zudem geile und dringend benötigte Comebacks, nach unterschiedlich langen Pausen. Georg Schwarzkopf mit seinem ersten Spiel im weißen Dress, seit dem Fall der Berliner Mauer (begleitet durch Edel-Fan Titus Oehm). Alexander Weiss nach Masterstudium in der portugiesischen Sonne zurück im stürmischen Berliner April-Wetter und die Engtanz- Veteranen Jan Michaelis und Christian Poppe direkt vom Dancefloor auf die Kunstrasen- Matte.

Pünktlich zum Anpfiff standen 13 fest entschlossene Realos bei einstelligen Temperaturen auf dem Platz, direkt an der Berliner Stadtgrenze. Selbstverständlich zumeist auf den letzten Drücker angereist, so dass die obligatorische Frage des Schiedsrichter-Gespanns - „Seid ihr etwa schon komplett?!“ – nicht lange auf sich warten ließ.

Noch schnell im Kreis eine Aufstellung aus den Rippen geschnitten und schon ging sie los, die wilde Fahrt. Die zweite Garnitur der Wespen wie immer mit einem griffigen und erfahrenen Gerüst auf der zentralen Achse und auf den Außenpositionen zumeist recht junge und dafür sehr flinke Spieler, die der hüftsteifen Ü-30-Fraktion vom Chamissoplatz den ein oder anderen Knoten in die Beine dribbelte.

Insgesamt sah es aber ganz anständig aus, was das weiße Ballett auf die Platte brachte. Wir beschränkten uns auf die einfachen Tugenden und konnten die Wespen in der Regel sauber wegverteidigen. Alex Weiss und Jason brachten klare Bälle von hinten raus an die Vorderleute, die Außenverteidiger Jan, Georg und Benne ließen sich nicht auf Tänzchen ein, sondern stellten sich den Zehlendorfer Jungspunden entschlossen in den Weg und im Mittelfeld konnten die Edeltechniker Schacke, Thommy und Philipp Kleihues aka. Anton Fogg einige Bälle festmachen. Einzig im Sturm fehlte die Durchschlagskraft – Carli in vorderster Front konnte nicht gefüttert werden. Aushilfs-Sturmtank Joe Schultz glücklos und auch die Schwaben-Rakete Paul Goldenbogen noch nicht genug ins Spiel eingebunden, um Technik und Schnelligkeit auszuspielen.

Zudem war das Spiel nach vorne recht einfallslos und es brauchte die ersten beiden Viertel, bis wir begriffen, dass die Wespenverteidiger unsere Feldschlenzer leider allesamt wegpflücken und es anderer Mittel im Spiel nach vorne bedarf.

Defensiv wurde es trotz der bereits angedeuteten Stabilität eins ums andere Mal brenzlig. Zwei Ecken wurden zu unserem Glück von den Wespen verstoppt und auch der Autor dieser Zeilen, konnte sich nicht dagegen wehren ein paar Mal angeschossen zu werden.

0:0 nach dem ersten Viertel – das erste Ziel erreicht und sich erst einmal schadlos gehalten.

In Q2 dann der erste Aufreger. Die Königlichen kriegen den Ball nicht geklärt und ein Wespen-Stürmer kann argentinisch abziehen. Das Zehlendorfer Geschoss schießt durch den Schusskreis und Jani kriegt grade noch den Schläger vor den Kiefer, um einen Wirkungstreffer zu vermeiden – von dort prallt der Ball ins Tor. Der Unparteiische entscheidet auf Tor für die Wespen und wird sogleich von einem bis in die Haarspitzen elektrisierten Thommy Koch bestürmt. Nach Rücksprache mit seinem Kollegen nimmt er die Entscheidung zurück – schließlich wäre das Aggi-Rohr weit am Tor vorbei gegangen und war damit kein Torschuss. Doch kein „Eigentor“ – „Das nächste Mal ins andere Tor, Jani,“ blödelt die Abwehrreihe.

Auch eine Strafecke wurde uns noch im zweiten Viertel zuteil. Rausgabe Anton Fogg auf #TK8 und Alex Weiss strahlt drauf. Guter Speed, gute Bewegung, nur leider knapp rechts vorbei. Durchatmen. Es geht weiterhin torlos in die Pause.


Wir schwören uns nochmal ein: Mehr Klarheit im Spiel nach vorne, Bälle in die freien Räume und genauso konsequent und konzentriert weiterverteidigen. Doch kaum ist das dritte Viertel auf dem Weg passiert es: Ballverlust in der Vorwärtsbewegung, zwei schnelle Pässe und die Wespe in vorderster Front landet per Aggi-Schrubber den Stich. 0:1 aus Sicht der Kreuzberger.

Aber, (großes Kompliment ans Team) kein Aufstecken, kein Lamentieren, keine Selbstzerfleischung. Brust raus und Kopf nach oben. Kurz darauf gibt es die vierte Ecke für den RvC, bereits bei den Ecken 2&3 hatte Alex das Visier besser eingestellt, aber damit leider auch das Talent des Wespen-Keepers offenbart, der bis hierhin unbezwingbar war. Auch die vierte Ecke rauscht aufs Tor wird aber wieder abgewehrt, jedoch an den Körper eines Verteidigers. Mit Strafecke Nr. 5 ist der Bann gebrochen. Rausgabe Kleihues, knochentrocken gestoppt von Thommy und Alex Weiss halbhoch rechts hinein ins Glück. Im nahen Kleinmachnow drückt Bushido vor Freude in seinem AMG-SUV auf die Hupe und die Mannen in weiß jubeln über den Ausgleich.

Das Spiel stand somit auf Messers Schneide und sollte im letzten Viertel noch gewaltig an Dramatik zunehmen. Mit dem Abpfiff des dritten Viertels feuert ein ungehobelter Wespen- Jüngling eine Verbalinjurie in Richtung eines Realos. Den Wortlaut wiederzugeben würde unser Niveau unterschreiten. Der besonnene Unparteiische ahndet diese unschöne Szene mit einer gelben Karte – sprich 5 Minuten Überzahl für die Boys in white zum Start des vierten Viertels.

Beflügelt ob der sich plötzlich auftuenden Siegchance starten wir ein wahres Powerplay in Richtung des Zehlendorfer Kastens. Joe (eigentlich zwischen den Pfosten beheimatet) hat das 2:1 auf der Kelle und scheitert am wieder exzellent reagierenden Wespen-Torsteher. Weitere Chancen bleiben ungenutzt und so muss Benne Durach den glücklosen Stürmern zu Hilfe kommen. Der schlaksige Verteidiger stiehlt sich nach vorne und wird durch einen umsichtigen Rückpass an den Kreisrand freigespielt. Blitzschnell zieht Benne argentinisch ab und donnert das Spielgerät rechts unten rein. 2:1! Wahnsinn! Bushido feuert mit seiner AK-47 ein paar Freudensalven in den Himmel, aus dem mittlerweile der nächste Hagelschauer niedergeht.

Doch mittlerweile war wieder Gleichzahl auf dem Spielfeld und die Wespen hatten überraschenderweise etwas gegen eine Heimniederlage gegen den Tabellenletzten einzuwenden und bäumten sich noch einmal mächtig auf. Zu allem Übel machte der Oberschenkel von unserem Abwehrchef und Eckenschützen Alex dicht, so dass er die ca. letzten zehn Minuten zum Zuschauen verdammt war. Angriffswelle um Angriffswelle rollte auf uns zu doch bis kurz vor Schluss konnten wir (Strafecken inklusive) unser Tor und damit die knappe Führung verteidigen. Dann zog Carli allerdings einen Grünen Karton und wir waren für die verbleibenden zwei Minuten ein Mann weniger auf dem Feld. Die Wespen bereiteten noch einen Angriff vor, aber der Ball in die Spitze zog an Freund und Feind vorbei und landete bei uns im Toraus. Lange konnte es nicht mehr sein...

Aber der Schiedsrichter wollte ein Foul vom engagiert verteidigenden Schacke gesehen haben, den er vorher bereits ermahnt hatte. Also wurde aus Abschlag Real im Handumdrehen Freischlag am Kreis für die Wespen und grüne Karte für Shaq. In zweifacher Überzahl spielten die Wespen von außen den Ball vor unseren Kasten. Doppel- Parade Felix Achner, aber niemand zur Stelle, der das Ding aus der Gefahrenzone lasert. Stattdessen ein letzter Torschuss, den Jason, kurz vor der Linie stehend nicht legal abwehren kann und in Luis Suarez-Manier die Kugel fängt (!) und aus dem Schusskreis wirft. Das perfekte Verbrechen? Leider nein – der Schiedsrichter schaut wiederholt genauer hin, als unbedingt notwendig und entscheidet bei wenigen Sekunden Restspielzeit auf Siebenmeter gegen uns.

Showdown in letzter Sekunde. Achner gegen Stapenhorst. Realo-Präsie gegen Wespen- Urgestein. Achner erahnt die Ecke, aber nicht die unkonventionelle Technik bzw. das Abrutschen des Balles vom Schläger des Zehlendorfers. Unterwegs in Richtung von ihm aus gesehen linken Pfosten, sieht er die Murmel Richtung Tormitte kullern und versucht noch verzweifelt seine Gräten in die Rollbahn des Balles zu bekommen – vergebens. Der Ball setzt zwar auf dem Weg in Richtung Tor Staub an, aber rollt, gefühlt mit der letzten Umdrehung, über die Torlinie. 2:2 in letzter Sekunde.

Unfassbar bitter, so spät den Sieg noch entrissen zu bekommen. Aber mit zwei Wechselspielern und zahlreichen Kaltstarten auf dem Platz, ist ein Punkt bei den Wespen auch ein mehr als respektables Ergebnis. Der Wellness-Bereich in den Katakomben lockerte wieder die Muskeln und das Bier am Clubhaus-Tresen auch wieder das Gemüt der Kreuzberger. Ein Punkt gegen den Abstieg, mit dem niemand gerechnet hatte und eine absolut geile und geschlossene Mannschaftsleistung dazu – davon darf es gerne mehr geben. Mit der Leistung können wir es mit jedem in der Liga aufnehmen und wenn erst alle Mann an Bord sind, kann sich die Oberliga warm anziehen.

Weiter geht’s am 01. Mai gegen die Dritte vom BHC – am internationalen Tag der Arbeiterbewegung sollte es insbesondere kämpferisch zugehen! Strahl!