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Real von Chamisso plant Durchmarsch bis in die Oberliga

Berliner Morgenpost 09.05.2001
Von Doreen Mechsner

“Wir haben viele Anfragen von Spielern”, sagt Philipp Georgi, “aber unsere Aufnahmekapazitäten sind begrenzt.” Georgi ist Vorsitzender, Trainer und Spieler von Real von Chamisso, dem erst einjährigen, inzwischen aber bereits überaus populären Hockeyverein aus Kreuzberg. Der junge Klub ist einer von dreien aus dem Vorbreitungsgebiet des Morgenpost Lokalanzeigers, der eine Männermannschaft in die diesjährige Feldsaison schickt.

Wesentlich älter, aber weitaus unpopulärer sind in der zumeist elitär angehauchten Berliner Hockeyszene die Männer des 105-jährigen SV Nord Nordstern. Zwischen diesem Weddinger Arbeiterverein und den bereits dem Namen nach adlig abstämmigen Kreuzberger Realos von Chamisso stehen die Spieler der SG Rotation Prenzlauer Berg. Dem Sonderstatus des Stadtteils Prenzlauer Berg als Kultbezirk verdankten sie in den vergangenen Jahren etliche Neuzugänge, zumeist aus dem westdeutschen Raum. “Dafür jedoch wandern”, bedauert der am Bodensee geborene Teambetreuer Günther Haege, “immer mehr Einheimische ab.”

Gleich fünf ambitionierte Nachwuchsspieler wechselten zwischen der Hallen- und der am Wochenende gestarteten Feldsaison. Um zwei Klassen höher, statt in der 1.Verbandsliga in der Regionalliga zu spielen, nehmen sie fast täglich den Weg bis nach Potsdam in Kauf. Dort gibt es, anders als im bundesligaüberlasteten Berlin, nur einen Hockeyclub. Entsprechend wird dieser protegiert und frequentiert. Und wer nicht gut genug ist, fliegt raus – aus dem Stammkader.

Rausfliegen ist auch für Rotation und Nord Nordstern immer ein Thema. Allerdings nicht für den Einzelnen aus dem Team, sondern für die Mannschaft aus der Liga. Jüngst mussten die Weddinger Männer diese Erfahrung machen, die in der Halle in die 2.Verbandsliga gereicht wurden. In die sie, wie Ingo Graebsch versichert, jedoch nicht gehören. “Die 1.Verbandsliga”, schwärmt der 28-Jährige, “ist genau unser Niveau.” Im Vorjahr belegte das Team von der Kühnemannstraße überraschend den dritten Platz. Den peilen sie auch in diesem Jahr wieder an, maximal einen Rang besser, minimal einen schlechter. Der Aufstieg jedoch, sagt Graebsch, sei für seine Truppe kein Thema. Denn während die 2.Verbandsliga eigentlich zu schwach für sie sei, sei die Oberliga viel zu anstrengend. Zweimal Training die Woche genüge. Keine zusätzliche Stockeinheit, kein Konditionsprogramm, lieber eine dritte Halbzeit im Clubhaus – beim Bier unter Freunden. Freunde sind die durchschnittlich 27-jährigen Weddinger allesamt. Und das seit zwanzig Jahren.

Das etwas klischeehafte “Elf Freunde sollt ihr sein” haben sich auch die Kreuzberger Realos auf ihre Fahnen geschrieben. Die aus allen Teilen Deutschlands zusammengewürfelten Berliner Studenten begannen im Vorjahr ganz unten in der 3.Verbandsliga, um so schnell wie möglich bis in die Oberliga vorzustoßen. In der sie dann in zwei Jahren angekommen sein dürften. Fraglich ist jedoch, ob sie dann tatsächlich dort verharren. Denn bislang war für einen jeden “Realo” die Regionalliga das Mindeste, wenn nicht sogar die Bundesliga.

Aus Spaß an der Freude zelebrieren die Neu-Kreuzberger nun wundervolles Kombinationshockey, dass ihren Gegnern alles abverlangt. Deshalb ist Real von Chamisso der gefragteste Sparringspartner im Berliner Hockey, aber auch dessen gefürchtetster Pokalschreck. Dem sich immer mehr Studenten gerne anschließen würden, wenn die Aufnahmekapazitäten nicht begrenzt wären. Schließlich können aus dem derzeitigen 26er-Kader immer nur elf Athleten gleichzeitig den Gegner das Hockeyspielen lehren.

Real-Sieg war Falschmeldung

DER TAGESSPIEGEL, Mittwoch, 25.04.2001

Keiner weiß, wie die Falschmeldung die Runde machen konnte. Aber jeder hat sie geglaubt. Warum auch nicht. Schließlich wären die Hockeymänner der Zehlendorfer Wespen nicht die ersten Hochkaräter gewesen, die der Kreuzberger Verein Real von Chamisso aus dem Pokal geworfen hätte. 3:2, so hieß es aus unbekannter Quelle in den Medien, hätte der Vertreter der zweiten Verbandsliga den Zweitbundesligisten vom Feld gekämpft. Gekämpft haben sie tatsächlich. Bis hart an die sportliche Grenze. Eine Runde weiter allerdings kamen erwartungsgemäß die Zehlendorfer Gäste. Dennoch werteten die Kreuzberger die Partie als einen großen Erfolg. Und das bereits, bevor diese überhaupt angepfiffen worden war.

Real von Chamisso ist erst ein Jahr alt. Aus der Berliner Hockeyszene jedoch ist der Verein schon nicht mehr wegzudenken. Als beliebtester Sparringspartner und gefürchteter Favoritenschreck. Elf und ein bisschen mehr Freunde hatten sich vor Jahresfrist vereint, um mit viel Spaß noch einmal so richtig Hockey zu spielen. Soweit es Arbeit und Studium zuließen. Ganz unten, in der dritten Verbandsliga, mussten die durchschnittlich 27-Jährigen, die allesamt mindestens in der Regionalliga, wenn nicht gar in der Bundesliga aktiv waren, anfangen. Ihr Anspruch dabei war es, nicht nur zu gewinnen, sondern auch noch so hoch wie möglich. Ein 25:0, so Präsident, Spieler und Trainer Philipp Georgi, mache dann auch derart unterklassig so richtig Spaß. Inzwischen hat der auf 26 Spieler angewachsene Verein seinen Weg nach oben angetreten.

Real von Chamisso stieg sowohl in der Halle als auch im Feld auf. Und will erst verharren, wenn «wir so fix wie möglich» (Georgi) in der Oberliga angekommen sind. Das ist das Ziel. Ebenso wie jenes,
weiterhin dem Ruf als Pokalschreck gerecht zu werden. Als einziger Verbandsligist erreichte Real von Chamisso die Hauptrunde im Deutschen Pokal. Und war, zumindest für einen Tag, in der nächsten Runde – dank falscher Mundpropaganda. Tatsächlich jedoch unterlag Real dem Favoriten Zehlendorfer Wespen 0:2. dom

Favoriten zum Saisonstart mit Erfolgen

DER TAGESSPIEGEL, Di, 24.04.2001
Von Julius Müller-Meiningen

Wilmersdorf/Charlottenburg – Ihrer Favoritenrolle problemlos gerecht wurden die Feldhockey-Teams des TuS Lichterfelde in der Damen-Bundesliga und der Zehlendorfer Wespen im Herren-Pokal. Während TuSLi am Sonntag zum Saisonauftakt beim Aufsteiger Berliner SV mit 4:2 (2:1) gewann, überstanden die Wespen die erste Pokal-Runde durch ein 2:0 (0:0) über den Verbandsligisten Real von Chamisso. Erleichtert zeigt sich TuSLi-Trainer Thorben Wegener darüber, «die undankbare Aufgabe ungefährdet gemeistert zu haben». Denn die tatsächliche Leistungsstärke des Aufsteigers war schwer einzuschätzen gewesen. «So schwach, wie der BSV geredet wurde, ist er jedenfalls nicht», so Wegener, der prophezeite: «Die werden andere Teams noch ärgern.»

Das taten die Wilmersdorferinnen am Sonntag auch mit den Kolleginnen aus Lichterfelde, als sie kurz vor der Pause per Strafecke den Anschlusstreffer erzielten. Zuvor hatten Lena Lange (9. Minute) und Nicole Peter (28.) für TuSLi getroffen. Auch in der zweiten Hälfte die gleiche Dramaturgie: Erst zwei TuSLi-Tore durch Daniela Meister und Luisa Lanier, dann das 2:4 – per Ecke.

Die Wespen blieben derweil ohne Gegentor und – was Trainer Bernd Rannoch noch mehr erfreute – ohne Verletzungen. Für den Gegner sei die Begegnung schon so etwas wie ein Endspiel gewesen, weshalb der Verbandsligist im Übereifer auch reichlich Härte in die Partie brachte. Unbeeindruckt davon schaukelten die Wespen ein «grauenhaftes Spiel» (Rannoch) durch zwei Tore von Nico Knabener (40. und 50. Minute) über die Zeit. Am 1. Mai nun wird in der zweiten Runde der Deutsche Meister HTHC Hamburg (14:1 über die TG Heimfeld) in Zehlendorf gastieren. Dann gibt es auch
ein Wiedersehen mit dem vom Berliner HC zum HTHC gewechselten Florian Keller. Die Damen von Zehlendorf 88 erreichten durch ein 5:3 nach Siebenmeterschießen über den Club zur Vahr Bremen ebenfalls die nächste Pokal-Runde.

Lebensbejahende Juristen

RvC im Tagesspiegel

DER TAGESSPIEGEL, Montag, 27. November 2000

Seltsamer Name, hohe Ziele: Die Hockeyspieler von Real von Chamisso wollen ein gesellschaftliches Ereignis sein
Von Julius Müller-Meiningen

Plötzlich standen sie da. Andreas Kruggel ehemaliger Bundesligaspieler vom Berliner Hockeyclub (BHC), Holm Gregoire, Ex-Nationaltorwart, und Andreas Keller, Olympiasieger von Barcelona 1992. Und den Männern vonn Real von Chamisso (RvC) wich schnell die Fröhlichkeit aus den Cesichtern. Hatten sie doch mit einem Schützenfest gegen die vierte Mannschaft des BHC gerechnet. Kein außergewöhnlicher Wunsch für den RvC, der aus der fünften Hallen-Verbandsliga, der niedrigsten Spielklasse, so schnell heraus will, wie er hineingeraten ist. Und keine blöde Idee vom BHC, seinen A-Jugendlichen ein paar Ex-Nationalspieler zur Seite zu stellen. Inzwischen zählen sie zu den Senioren und dürfen überall spielen. Prompt gewann der BHC gestern mit 7:2 vor leeren Rängen in der Kirat-Bulik-Sporthalle in Lankwitz.

Im Sommer, als der RvC in das Feldfinale des Berliner Hockeypokals eingezogen war, sah das anders aus. Ein 100-Liter-Bierfass lagerte am Spielfeldrand. Über 100 eigene Fans waren da. Und das sind erstaunlich viele für einen Klub, der im Februar gegründet wurde und sich erst einmal nach oben spielen muss. Dass das Spiel gegen den Berliner SV 0:6 verloren ging hat die wenigsten gestört, denn Real von Chamisso ist durch den Finaleinzug für die erste Runde des Deutschen Hockeypokals qualifiziert. Das Spiel, vielleicht gegen eine Bundesligamannschaft, findet im nächsten Jahr in Berlin statt, weil Amateure Heimrecht haben. Und dann will Real nicht nur Hockey spielen, sondem auch ein bisschen gesellschaftliches Ereignis sein.

“Das Berliner Hockeyleben ist so ein socalizing nicht gewohnt”, sagt Philipp Georgi (26). Spieler-Trainer und Vereinsvorsitzender. Darunter muss man sich Folgendes vorstellen: Die 27 Vereinsmitglieder wollen Hockey spielen, aber nur einmal pro Woche trainieren und nebenher möglichst viel Spaß haben. Und dass der Klub nun in der Hauptrunde des Deutschen Hockeypokals steht zieht viele Leute an, die am Spaß teilhaben wollen. Das Team besteht vor allem aus Hamburgern, die in Berlin Jura studieren. Man nennt sich selbst “lebensbejahende Juristen”, von denen sich einige noch aus der Schulzeit kennen und bereits in der Jugend gegeneinander angetreten sind. Fünf der 27 haben sogar schon in der Bundesliga gespielt, beim Club an der Alster beispielsweise. Und so erklärt sich auch der Erfolg.

Wegen der Lebensbejahung und nur einer Trainingseinheit pro Woche handelt es sich bei den Akteuren von Real mit Channisso nach eigener Darstellung zwar um “konditionelle Wracks”, aber weil beim Hockey inzwischen beliebig oft gewechselt werden darf und der Kader ausgeglichen ist, wird die mangelnde Kraft kompensiert. Und den Kampfgeist darf man naturlich nicht vergessen.

Ein bisschen martialisch wirkt es dann schon, als einer der Spieler das Erfolgsgeheimnis lüftet: ” Wir sagen dann: Jungs, jetzl holen wir den alten Realgeist raus und ge- ben dem Gegner eins auf die Socken!” Bedingungsloser Einsatz wird gefordert, und es kann schon mal passieren, dass sich einer dabei von oben bis unten die Beine aufreißt. “Es wird von allen erwartet, dass sie dorthin gehen, wo es weh tut”. Da hat der Spaß sein Ende. Seinen Anfang hatte er am Chamissoplatz in Kreuzberg. Von dort stammt auch der Name des Vereins. Als sie jedes Wochenende dort Fußball spielten, kam die Idee, zum geliebten Hockey zurückukehren. Aber kein Hockeyplatz ohne Verein also wurde einer gegründet.

Während andere Klubs keine Manschaften zusammmen bekommen, haben schon zehn Spieler bei Real angefragt, ob sie in der Hallensaison beitreten können. Und so beginnt das Zukunftsproblem des RvC. “Wir können das Ding nicht einfach wachsen lassen” , sagt Georgi. “denn wir wollen eine Truppe bleiben.” Allerdings verlassen in absehbarer Zeit ein paar Spieler Berlin, weil sie in anderen Städten Arbeit gefunden haben. Und noch ein Problem gibt es. Im Pokal wie auch in der Liga sind die gegnerischen Teams gewarnt und wissen um die Stärke des RvC. Zwar können nicht alle Berliner Klubs auf Ex-Nationalspieler und Olympiasieger zurückgreifen, aber eine kleine Narbe ist doch geblieben. Nach dem Spiel gegen die Altstars sagt Georgie: “Die machen sich anscheinend einen Spaß draus, die Alten aus dem Keller zu holen. Und der Rvc kriegt eins auf den Sack”.

Favoritenschreck Real Chamisso plant neuen Coup

Berliner Morgenpost 06.09.2000

Die Hockeyspieler von Real Chamisso, dem einzigen Hockey-Verein aus Kreuzberg, planen ihren nächsten Coup: Am Freitag, 19.30 Uhr, erwartet das Team aus der dritten Verbandsliga, das sich im laufenden Berliner Hockey-Pokal mehrfach als Favoritenschreck hervorgetan hat, den Regionalligist Berliner SC im Olympia-Stadion.

“Der härteste Brocken, den wir bisher hatten”, urteilt Real-Kapitän und Vereinsvorsitzender Philipp Georgi. “Aber ich rechne mir trotzdem Chancen aus, weil wir erstmals alle Mann an Bord haben und einen 16-köpfigen Kader aufbieten.” Mit einem Sieg am Freitag hätte Real sich bereits für die erste Hauptrunde im Deutschen Hockey-Pokal qualifiziert. Dort könnte sich das Team, das mit ehemaligen Erst- und Zweitligaspielern gespickt ist, mit Mannschaften aus dem Oberhaus messen.

Auch bei einer Niederlage wäre die Qualifikation noch drin: Am 3.Oktober werden die Endspiele im Berliner Hockey-Pokal für Männer und Frauen ebenfalls im Olympia-Stadion ausgetragen. Die Sieger im Spiel um Platz drei werden mit einem Startplatz im deutschlandweiten Pokal belohnt.
tm



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