Adelbert von Chamisso

war ein französischer Emigrant, der im Berlin des frühen 19. Jahrhunderts vor allem mit Reiseberichten sein literarisches Werk vollbrachte. Nach ihm ist ein Fußballplatz im Berliner Bezirk Kreuzberg benannt – und nun auch ein Hockeyverein.

Ein unachtsamer Moment voller Klinsmann-gleicher Mannschaftszusammengehörigkeits-gefühlseuphorie muss mir Ende letzen Jahres die Ehre und Bürde verschafft haben, diesen Jahresrückblick verfassen zu dürfen…-möglicherweise waren auch Drogen, legale meine ich, im Spiel, die mich gefügig machten. Sehr konsequent und wie ich auch schon fast glaubte erfolgreich hatte ich mich dann bemüht, diese kleine Hausaufgabe zu vergessen, der RvC verfügt jedoch über das Gedächtnis eines Elephanten, und so wurde ich zuletzt mit sanftem Druck an meine kleine Versprechung erinnert.

Vor jedem Neujahr endet auch ein altes, und 2005 ließ der RvC in gediegener vorweihnachtlicher Atmosphäre im „Kürbis“ in der Ackerstrasse ausklingen, wo riesige Schnitzellappen mit entsprechenden Flüssigkeitsmengen hinuntergespült wurden.
Die Berliner Belegschaft war nahezu vollzählig vertreten, von den Externen hatten es diesmal nur wenige geschafft dem trauten Schoß der Mannschaft die Ehre zu erweisen.
Wie immer beschenkten wir uns liebevoll beim Julklapp, und viele zogen glücklich mit ihrem Präsent in die Berliner Nacht hinaus. Nachdem so mancher sein neues Lieblingsspielzeug erfolgreich stundenlang gegen die eigenen Mitstreiter verteidigt hatte, erfreut sich heute vermutlich die Toilettenmutti im Weekend dran… Lobend zu erwähnen hier vor allem der unermüdliche Einsatz unserer holländischen Freunde, die auch dem Wirt in eindrucksvoller Erinnerung geblieben sind.

Nach überstandenen Feiertagen und Ausflügen in die schneelosen Alpen stießen wir im Januar 2006 wieder zueinander, um die durchwachsen begonnene Hallensaison 2005/06 würdig zu Ende zu bringen.
Einige verdiente Realisten hatten seit der letzten Hallenrunde dem RvC den Rücken gekehrt, um ihr berufliches Glück in der großen weiten Welt zu suchen. Felix Struwe, unser langjähriger Trainer und Käpt`n, heilt jetzt Kranke in New York, Buffi findet HH doch besser als Berlin und Benny S. vergnügte sich mit amerikanischen College-Babes.
Wie schon im Feld hatte sich Fabi dankenswerterweise bereit gefunden, unseren Sauhaufen zu trainieren und neben großem Spielo auch noch ein paar sinnvolle Übungen aufzunötigen.
Vor Weihnachten hatten wir in wie immer sehr gemischt ansehnlichen Spielen 7 Punkte aus 5 Spielen geholt und standen somit im Mittelfeld der Tabelle der Oberliga Berlin, in der wir die einzige erste Mannschaft im Kreise lauter Reservebänke für höherambitionierte Teams stellten. Traditionsgemäß sahen wir vor allem gegen die vermeintlich stärkeren Teams gut aus und schickten mit großer Freude die Wespen nach hartem Kampf mit null Punkten zurück nach Zehlendorf, gegen BHC mussten wir uns nur knapp mit einem Tor geschlagen geben.
So erreichten wir als Vierter knapp die Play-offs der oberen Tabellenhälfte, wo allerdings BHC quasi schon als sicherer Champion feststand, da die Punkte aus der gesamten Saison mitgenommen werden. Einem erneuten Sieg über die Wespen sowie einem ruhmreichen 8:8 gegen BHC folgte der Saisonabschluß, der leider auch den absoluten Saison-Tiefpunkt darstellte:
Gegen SCC 2 gelang es uns nicht zumindest 6 Karteileichen auf die Platte zu bringen, und so mussten wir das Spiel kampflos mit 0:3 abschenken und beendeten die Saison als Vierter hinter BHC, den Wespen und SCC.

In der Folge wurde die ein oder andere Blut-Schweiß-und-Tränen Rede zu diesem Desaster gehalten, und wir sind guter Hoffnung, dass die Real-Spieler dieses Jahr nicht alle gleichzeitig zum Skilaufen fahren…
Mit Ende der Hallensaison begann die Feldvorbeitung in neuer Umgebung in Friedrichshain an der Storkower Strasse auf nagelneuem KuRa, da das Oly renoviert wurde. Hier hackten wir nun umgeben von der Platte mit erste-Reihe-Blick für alle dort wohnenden Rentner jeden Dientag Abend gegen den Ball und freuten uns, dass die RvC-Karawane nun nicht mehr durch die halbe Stadt von Mitte – an dieser Stelle fühlen sich die 2 Kreuzberger und ein Zehlendorfer sicher vernachlässigt- ins Westend reisen musste, sondern Training nun quasi umme Ecke war.
Parallel zur Saisonplanung begann auch die verschärfte Party-Konzeption, und dank Felix B. gelang es, eine großartige Location im Osthafen mit Spreeterrasse zu guten Konditionen zu sichern, so dass eifrig Kartenkontingente vertickt und verschachert wurden, denn trotz Raumlimit von 400 Leuten sollten natürlich alle Schönheiten der Nacht willkommen geheißen werden.
Ende April setzten wir dann die im Herbst 2005 begonnene Feldsaison fort, die insgesamt wenig rühmlich verlief und den RvC am Ende auf Platz 6 wiederfand. Aus den noch verbliebenen fünf Spielen holten wir 5 Punkte und beendeten die Saison mit der Erkenntnis, dass wir uns häufig unter Wert verkauft hatten, was sicher auch mit der extremen Fluktuation im Team zusammenhing, die Fabi und Interimscoach Till vor die schwierige Aufgabe stellten, aus immer wieder anderen Spielern eine schlagkräftige 11 zu formen.

Absolute Schlagkraft bewiesen wir im Einklang mit Klinsi`s Männern am 9.Juni: zum WM-Auftakt legte Real eine mal wieder legendäre Party hin, mit perfekter Feierlaune und lauter glücklichen Knutschteams beim Sonnenaufgang auf der Terrasse über der Spree. Bis auf wenige Ausnahmen können sich auch noch alle an ihre Knutschpartner erinnern…
Auch die Raumeigentümer waren zufrieden mit dem Ergebnis, nur der Juniorpartner zeigte sich ein wenig verstimmt über den spurlosen Verlust seines Superman-Pappkameraden.
Die folgenden vier Wochen verbrachte man kollektiv mit Rest-Deutschland im WM-Rausch, die Saison klang nach einem letzten Punktgewinn in Steglitz mit einem gemütlichen Grill-Toast-Event bei 80 Grad im Schatten über den Dächern von Mitte aus.
Ende Juli stand die traditionelle Bootstour auf dem Programm, hier ist der Verfasser selbst nicht zugegen gewesen und muß daher auf Berichte Dritter zurückgreifen; insgesamt scheint die Begeisterung dieses Jahr bis auf einzelne französische Gäste aber eher verhalten gewesen zu sein. Erneuter Clinch mit den Bootsbetreibern hat nun dazu geführt, dass wir uns für nächstes Jahr nach ner neuen Crew umschauen wollen.

Nach verdienter Sommerpause begannen wir im August wieder mit dem Trainingsbetrieb, verstärkt durch hochkarätige Neuzugänge aus Köln, Hamburg und eine Abwerbung vom SCC. Während Spalter uns hoffentlich erhalten bleibt, sind Moritz und Kilian mittlerweile zwar Mitglieder, leider aber auch schon wieder auswärtige…

Nicht zuletzt dank gesteigerter Klasse im Kader und großer Motivation für einen positiven Saisonstart gelang es uns in 7 Spielen 12 Punkte einzufahren und uns so hinter den starken Wespen auf Platz 2 zu überwintern. Hier muß noch erwähnt werden, dass wir im letzten Spiel ein extrem unglückliches 0:1 gegen die Wespen in allerletzter Minute kassierten, an dem die Unparteiischen nicht ganz schuldlos blieben. Überhaupt konnten wir uns desöfteren mit der Schiri-Leistung so wenig anfreunden, dass ständig für Gelbe-Karten-nach-dem-Training-Biere gesorgt war.
Der erste Teil der Feldsaison 2006/07 kann somit als absolut positiv verbucht werden, die Neuzugänge sind eingeschlagen und voll integriert, die alten haben neues Blut geleckt und der Coach kann aus dem Vollen schöpfen. – Wir wissen aber natürlich, dass sich das blitzartig ändern kann, wenn erstmal wieder ein paar Realisten auf den Arbeitsmarkt gespült werden, und so haben wir uns zu einem offenen „Werbe-Rundbrief“ entschlossen, den Clemens aufgesetzt hat und den wir nun an unserer Heimatclubs verschicken, um Neu-Berliner Hockeyspieler zum RvC zu locken.
Die Hallenrunde 2006/07 begann in alter Tradition im HKS, leider nicht mehr Freitags sondern am Montag; zum ersten Training wurde die Befürchtung hier könnten einige ob der frühen Zeit nicht kommen jedoch eindrucksvoll widerlegt. Am darauffolgenden Wochenende gab`s dann auch gleich einen Sieg gegen TUS Li 2, den Verein, der uns unseren Torwart Basti mit der Verlockung von Bundesligahockey abgeworben hat…
„Not-Goalie“ Bene hatte jedoch einen so starken Saisonauftakt, dass er auf dem besten Wege ist unser vermeintliches Torhüter-Problem in eine Geheimwaffe umzumünzen.
Das Comeback von Torwart-Karteileiche Benno am folgenden WE gegen BHC II verlief trotz vermeintlicher Star-Besetzung im Team leider weniger erfolgreich, RvC wurde mit 7:22 verprügelt.

Bis zur Weihnachtsfeier am 9.Dezenber, die diesmal in den „Bötzow-Stuben“ stattfinden wird, steht nun vorerst kein Spiel mehr auf dem Programm ehe wir dann alle zusammen unser Resümee eines insgesamt durchwachsen begonnenen und erfolgversprechend endenden Jahres 2006 ziehen können.